Seelsorge / Klinikseelsorge

Seelsorge

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Klinikseelsorge

 

Kommt her zu mir alle,

die ihr mühselig und beladen seid...

 

Gottesdienste Unfallklinikum Murnau

Donnerstags um 18 Uhtr

in der Hauskapelle,

in der Regel mit Pfarrerin Ehrmann


 

 

Kapelle in der Unfallklinik Murnau

 

Betritt man die Kapelle in der Unfallklinik Murnau, wird der Blick nach vorne, zur Mitte geführt. Vor dem Halbrund der Lichtwand: der Altar. Ein Tisch von durchscheinender, schwebender Standfestigkeit. Hier kann Last abgelegt werden, darf man sich tragen lassen.

Der Tisch ist nicht gedeckt, ist leer. Hier darf Mangel sichtbar sein, muss nichts "weggeschmückt" werden. Patienten, Angehörige und Mitarbeitende in der Klinik müssen erleben, wieviel Not es gibt, wie mühsam Heilung sein kann, welche Kräfte ein Leben mit Einschränkungen kostet. Der leere, schmucklose Altar in der Klinikkapelle ist Provokation und Einladung. Gott hat seinen Tisch für uns gedeckt! Er erwartet uns und teilt aus, was dem Leben Kraft, Sinn und Fülle gibt. In seiner kargen Schönheit erinnert dieser Altartisch Glaubende und Suchende an das Evangelium Jesu Christi: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!"

 

 

 

Du Herr hast Worte ewigen Lebens! Joh 6,68

 

"Und, was hat er gesagt?" - der Artzt, die Schwester, der Therapeut? Patienten brauchen Worte. Sie fordern sie ein mit ihren Fragen, bewegen in Gedanken hin und her, was bei der Visite gesprochen wurde. Sie lassen sich berühren von der Klage der Bettnachbarin. Sie sind beunruhigt durch eine ausweichende Antwort, einen unverständlichen Fachbegriff.

Sie lachen über den unbefangenen Spass einer Schwester und bewegen die guten Wünsche ihrer Besucher im Herzen. Wo es um die eigenen Gesundheit geht, werden wir Menschen sehr hellhörig.

Was gesgt wird und wie es gesagt wird kann lebenswichtig sein. Worte wirken, sie können öffnen für Vertrauen, Zuversicht, Heilung.

In die Kapelle der Unfallklinik kommen Menschen, die Worte suchen: andere Worte, vielleicht sogar fremde Worte.
 

 


Der Ambo ist der Ort, an dem solche Worte gesprochen werden.

Hier wird das Evangelium, die gute Botschaft, gelesen und gedeutet. Gottes Wort:

Spricht es mich an? Oder ist es befremdlich, geheimnisvoll? Kann ich zulassen, dass es mich mit dem konfrontiert, was ich bisher verdrängt, verleugnet habe?

"Du Herr hast Worte ewigen Lebens!"

Petrus sagt das zu Jesus, als dieser nicht bereit ist, den Menschen seiner Zeit nach dem Mund zu reden.

Manchmal sind es nicht die verständnisvollen und beruhigenden Worte, die Verletztes heilen und über das Jetzt hinaus tragen, sondern die Worte der Klarheit und Wahrhaftigkeit, die "notwendig" sind: die Gefühle aufwühlen, zum Umdenken zwingen, Wandlungsprozesse anstoßen. "Worte ewigen Lebens" fordern von uns den beherzten Umgang mit den Schwachen, Verletzlichen und Verlierbaren des Lebens. Aber sie sind zugleich Versprechen: Jede und Jeder von uns trägt in sich Kostbares, Unzerstörbares. Gott stärkt und behütet es - und er wird es bewahren für immer.

Ihre Pfarrerin Bärbel Ehrmann

 

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!

 

Das soll eine Kirche sein?! Mancher Besucher der Klinikkapelle reagiert enttäuscht oder gar verärgert. Das Ungewohnte des Raumes stellt geprägte Erwartungen in Frage. Die christlichen Symbole drängen sich nicht auf, sie fordern das Hinsehen und Sich Einlassen. Erst nach und nach wird ihre Präsenz spürbar und die in ihnen enthaltene Botschaft eindrücklich. So führt an der linken Wand entlang ein Kreuzweg mit sieben Stationen zum Antlitz des Gekreuzigten und weiter zur Osterkerze. Der Besucher kann mit seinen Blicken und Gedanken einen "geleiteten Weg" entlang gehen.

Die zentralen Inhalte christlicher Theologie von Sterben und Auferstehung Jesu Christi sind transparent gemacht für menschliche Erfahrungspozesse.

Durchkreuzte Lebenswege und die Hoffnung auf Heilung gehören zum Alltag der Klinik.

Verletzte Menschen sind konfrontiert mit der Zerbrechlichkeit des Lebens. Sie müssen der Wahrheit ihrer Situation standhalten und brauchen für ihre Heilungsprozesse auch innere Kraft und aufmerksame Begleitung.

Die Kapelle der Unfallklinik Murnau will Raum geben: für das Aufspüren der eigenen seelischen Ressourcen ebenso wie für die Begegnung mit der heilenden Kraft des Glaubens. Ein Unfall, eine Erkrankung kann Anlass sein für Reflexion und Klärung, für die Konzentration auf das Notwendige und Wesentliche.

"Man muss den Weg der Wahrheit gehen wollen", sagt Simone Weil, um etwas zu erfahren von dem anderen Leben, das Christus verspricht: Leben, das auch durch Verletzung und Leid hindurch heiles Leben bleibt. Der Lebensweg Jesu ermutigt Menschen zum aufrichtigen Umgang mit den eigenen Grenzen, zum Vertrauen in die Kräfte des Lebens und zur Offenheit für das Wunderbare Gottes.